Michael Freeman – Der fotografische Blick

Rezension

Michael Freeman
Der fotografische Blick
Komposition und Design

2. Auflage 2014, 192 Seiten, Softcover, 25,5 x 24 cm, Hochformat, in Farbe
ISBN 978-3-8266-9691-6, mitp-Verlag, 29,99 Euro

 

Der Autor:
Michael Freeman, Jahrgang 1945, ist ein renommierter Fotograf und Buchautor. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Dokumentation asiatischer Landschaft, Lebensweise und Kunst. Er arbeitet für renommierte Verlage wie Time-Life, GEO oder National Geographic und ist Autor zahlreicher Online-Seminare für Fotografie. Seine bislang mehr als 40 Bücher behandeln sowohl das Thema Reisefotografie als auch Architektur und fotografische Technik. Insbesondere die Bücher über den entscheidenden Blick für Licht und Komposition während der Aufnahme finden ein breites Publikum. Freemans Wissen und seine Erfahrung werden dem Leser in seinen Büchern didaktisch klug an zahlreichen Beispielen vermittelt.

Das Buch:
„Der fotografische Blick“ erscheint in fast quadratischem Hochformat und ist gut einen Zentimeter stark. Das Softcover besitzt vorne und hinten eingeschlagene Umschlagseiten, was dem Einband zusätzliche Stabilität verleiht. Die Bindung wirkt ausreichend fest, durch das große Seitenformat bleibt das Buch auch aufgeschlagen gut auf dem Tisch liegen. Ein Lesebändchen zur Markierung der letzten Lesestelle fehlt leider, kann jedoch bei Bedarf durch die Umschlagklappen ersetzt werden. Das mattgestrichene Papier gibt Texte und Bilder perfekt wieder. Typographie und Layout sind klar und schnörkellos gehalten, die Kapitel werden durch jeweils eine Doppelseite mit kurzer Einführung in das Thema eingeleitet.

Der Inhalt:
Der Inhalt des Buches gliedert sich in sechs Kapitel:
Der Rahmen – 23 Seiten
Designgrundlagen – 31 Seiten
Grafische und fotografische Elemente – 63 Seiten
Komposition mit Licht und Farbe – 19 Seiten
Die Intention – 19 Seiten
Entstehungsprozess – 43 Seiten

Abgerundet wird der Inhalt durch eine einführende Einleitung am Anfang sowie Bibliographie und Index am Ende des Buches.

In seiner Einleitung stellt Michael Freeman klar, was dieses Buch leisten soll: es geht dem Autor darum, den Prozess des Auslösens zu analysieren. Wie kann man erkennen, wann der rechte Augenblick gekommen ist? Wie gestaltet man das Bild im Sucher der Kamera? Und wie lässt sich diese Komposition ständig weiter verbessern? Freeman vertritt die Ansicht, dass durch die Digitalfotografie die Ansprüche der Fotografen an ihre Komposition gestiegen sind. Er begründet das mit der Möglichkeit der digitalen Nachbearbeitung von Fotos. Fotografen besitzen – anders als zu analogen Zeiten – in unserer digitalen Welt die völlige Kontrolle über ihre Aufnahmen und werden dadurch schon während der Aufnahme dazu veranlasst, sich mehr Gedanken über die Komposition zu machen, um sie später noch ihren Vorstellungen anpassen zu können.

Anders als in seinem Buch „Der fotografische Blick – Ein grafischer Ansatz“, in dem viel von geometrischen Formen und korrespondierenden Farben die Rede ist, geht es bei „Komposition und Design“ um die intuitive Anordnung der Bildelemente nach Kriterien wie Rahmen, Beleuchtung oder nach dem idealen Zeitpunkt der Auslösung. Zahlreiches Bildmaterial veranschaulicht die Inhalte der zum Teil doch sehr ausführlichen Textpassagen, die teilweise tief hinein in die Feinheiten von Komposition und Ausdruck führen. Mitunter fällt es schwer, den Ausführungen zu folgen und man ertappt sich dabei, sich lieber wieder den Fotos zuzuwenden. Textlich wäre weniger sicher mehr gewesen. Wer dran bleibt erfährt über die Grundlagen zur Farbkomposition und zu den Beziehungen der Farben zueinander und lernt über den Entstehungsprozess einzelner Aufnahmen, indem aus einer Sequenz von Fotos das wertvollste herausgesucht wird. Dazu werden die Parameter der Selektion sehr subjektiv und nicht immer schlüssig dargelegt.

Auch die Street-Fotografie findet ihren Platz im Buch. Hier geht es um Intuition, Vorahnung, Repertoire und Reaktion. Meisterfotografen wie Ansel Adams, Henri Cartier-Bresson oder Joel Meyerowitz kommen genau so zu Wort wie Design-Profis aus der Bauhaus-Ecke. Am Ende hat man viel gelesen, gesehen und gelernt und steht nun vor dem Problem, möglichst viele Ratschläge in das eigene Fotografierverhalten zu integrieren. Ein Vorhaben, dass nur den wenigsten gelingen dürfte, schließlich pflegt doch jeder Fotograf seinen eigenen Stil und nicht alles was im Buch vermittelt wird passt dazu.

Aber auch dafür hat Michael Freeman einen Rat bereit: das Kopieren und Nachahmen erlernter Regeln ist nicht wichtig. Übung allein bringt einen weiter. Und das Betrachten möglichst vieler Beispiele anderer Fotografen. So gesehen ist Freemans Buch auf mehreren Ebenen eine Anleitung zu besseren Fotos: zum einen durch die vermittelten Inhalte und zum anderen durch das einfache Betrachten seiner Beispielfotos.

Für wen ist dieses Buch geeignet?
Für Fotografen, die ihren Blick für Motive schärfen möchten.
Für Leute, die gerne an Hand von Beispielen lernen.
Für Fotografen, die ständig bemüht sind, ihren Horizont und ihre Kenntnisse zu erweitern.
Für Freunde didaktisch sehr gut gemachter Fachbücher.
Für Fans der Bücher und des Schreibstils von Michael Freeman

Fazit:
„Der fotografische Blick – Komposition und Design“ ist ein komplexes Lehrbuch. Themen und Texte sind anspruchsvoll, gehen in die Tiefe theoretischer Gestaltungspraxis und werden ab und an doch sehr abstrakt. Dessen ungeachtet vermittelt Freeman durch zahlreiche Fotos und Erklärungen auch Einsteigern Tipps zur Gestaltung und Anordnung von Motiven sowie zur Ermittlung des richtigen Zeitpunkts für eine Aufnahme.

 

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