Michael Freeman – 50 Wege zur kreativen Fotografie

Rezension

Michael Freeman

50 Wege zur kreativen Fotografie


2017, 224 Seiten, Softcover, 25,5 x 23,5 cm, Hochformat, in Farbe
ISBN 978-3-95845-458-3, mitp-Verlag, 29,99 Euro

Der Autor:
Michael Freeman ist nicht nur ein sehr guter Fotograf sondern auch ein extrem fleissiger Autor. Mehr als 40 Bücher tragen seine Handschrift und decken die unterschiedlichsten Bereiche der Fotografie ab. Sie wurden in 27 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Darüber hinaus arbeitet Freeman für namhafte Magazine wie Time-Life, Geo oder das Smithsonian Magazine. Seine typische Herangehensweise an ein Thema ist das Infrage stellen gängiger Stereotypen und die Anregung des Lesers zum eigenen Denken.

Das Buch:
„50 Wege zur kreativen Fotografie“ ist in der PROFIFOTO Edition des mitp-Verlages erschienen und erhebt den Anspruch, inhaltlich auch professionellen Ansprüchen zu genügen. Das fast quadratisch in leichtem Hochformat angelegte Buch ist mit einem Schutzumschlag versehen, dessen Einbandklappen gut als Lesezeichen verwendet werden können. Das reduzierte Layout des Covers setzt sich angenehm im Innenteil fort. Schwarz und Gelb dominieren als Satzfarben. Sämtliche Abbildungen kommen auf dem mattweißen Papier sehr gut zur Geltung und haben farblich eine leicht zurückgenommene, fast klassische Anmutung. Das ist kein Hochglanz-Glamourbuch sondern solide Bilderkunst mit grandiosen Exponaten.

Der Inhalt:
In großen Lettern ist der Anspruch des Buches auf der Rückseite abgedruckt:
„Gute Fotografen haben ihre Einstellungen im Griff. Großartige Fotografen wissen ihre Bilder zu komponieren. Die besten Fotografen finden ihren eigenen Weg, den wahren Charakter ihres Motivs zu enthüllen. Dieses Buch handelt von diesen Wegen und wie Sie Ihren finden.“ So viel zur Intention. Das Inhaltsverzeichnis gibt ersten Aufschluss darüber, welche Wege hierbei gemeint sind. Aus den 50 aufgeführten Kapiteln wahllos herausgegriffen sind das beispielsweise…

1. Keine Regeln
2. Arbeiten studieren

6. Erfahrungen misstrauen

10. Seele & Meinung

16. Hommage

18. Bekanntes Motiv, andere Sichtweise

31. Die Komposition verstärken

44. Licht als Motiv

50. Kreative Bildbearbeitung

Eine kurze Einführung zu Anfang des Buches sowie ein Index und Empfehlungen des Autors zur weiteren Lektüre am Buchende ergänzen den Inhalt.

Die 50 Wege, so verschieden sie auch sein mögen, werden auf von Michael Freeman zu einem einzigen Ziel aufgelistet: zum – wie er es nennt – „Entfachen“ der Kreativität des Lesers und der Leserin. Welche Wege hierfür die geeigneten sind, muss jeder für sich entscheiden. Durch Ausprobieren, Nachahmen und gegebenenfalls Variieren. Die Wege-Kapitel selbst sind sehr ansprechend aufgebaut. Plakative Überschriften, etwas Text, mitunter noch erklärende Textkästen und zum Thema passende Zitate berühmter Anwender dieser Wege umrahmen ausgesuchtes Bildmaterial. Die Fotos stammen nicht alle vom Autor selbst. Auch hier kommen wie bei den Zitaten berühmte Kollegen ins Spiel, die jedes Mal kurz vorgestellt werden. Technische Daten zu den Fotos sucht man vergebens. Technik ist in diesem Buch kein Thema. Der Autor vertritt die Meinung, dass ein guter Fotograf unabhängig vom verwendeten Equipment gute Fotos macht.

Jedem Weg werden im Schnitt zwei Doppelseiten gewidmet. Nicht alle davon sind eine Offenbarung und abhängig von persönlichen Vorlieben wird man manche davon sicher schneller überblättern als andere. Das ist völlig in Ordnung. Denn was dieses Buch vor allem auf hervorragende Weise leistet, ist den eigenen Horizont zu erweitern. „Arbeiten studieren“ – Kapitel zwei der Wege wird schon beim Betrachten des Buches umgesetzt. Gönnt man sich noch die entsprechenden Zitate der Könner dazu („Je mehr Bilder Sie machen, desto besser sind Sie als Fotograf“, Robert Mapplethorpe) so wird man das Buch nach der Lektüre mit veränderter Sicht auf die eigene Arbeit aus der Hand legen.

 

Für wen ist dieses Buch geeignet?
Für Sucher kreativer Wege
Für Leute, die ihren Horizont erweitern möchten
Für jeden, der eingefahrene Gleise verlassen möchte
Für Liebhaber guter Fotos
Für Michael Freeman Fans

 

Fazit:
Freemans Credo die Kreativität betreffend fasst sein berühmter Kollege zusammen, der in Kapitel „7. Zen & Fotografie“ zu Wort kommt: „Denken sollte vor und nach, aber nicht während des Fotografierens erfolgen.“ (Henri Cartier-Bresson). Oder anders formuliert: schaut euch viele Bilder an, beherrscht euer Equipment, vergesst alle Regeln… und ihr werdet besser werden. Das muss nicht für alle funktionieren – jeder hat seinen eigenen Lernstil – aber Freeman vermittelt glaubhaft, dass es gelingen kann. Alleine die Beschäftigung mit der Vielfalt der Wege zur Kreativität hilft bereits weiter.

 

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