Buchvergleich: Lightroom Classic und CC

Buchvergleich zwischen:

1. Torsten Kieslich
Einstieg in Lightroom Classic und CC
Bilder bearbeiten und organisieren

2018, Softcover, farbig, 23 x 17 cm Hochformat, 471 Seiten,
ISBN 978-3-8362-5881-4, Rheinwerk-Verlag, 29,90 Euro

2. Maike Jarsetz
Lightroom Classic und CC
Schritt für Schritt zu perfekten Fotos

2018, Hardcover, farbig, 24,5 x 20 cm Hochformat, 513 Seiten,
ISBN 978-3-8362-5889-0, Rheinwerk-Verlag, 39,90 Euro

Die Autoren:
Torsten Kieslich ist freier Journalist und Autor. Seit vielen Jahren befasst er sich mit den Themen IT, Fotografie und Bildbearbeitung.

Maike Jarsetz wird vorgestellt als Adobe Certified Expert, was sie sowohl für Photoshop als auch für Lightroom als profunde Kennerin ausweist. Die ausgebildete Fotografin präsentiert Adobe Produkte auf zahlreichen Fotografie-Veranstaltungen und gibt Schulungen und Workshops.

 

Die Bücher:
„Einstieg in Lightroom“ ist ein handwerklich solide gemachter Wälzer in bewährter Rheinwerk-Qualität. Papier und Bindung sind tadellos, Typographie und Layout sind schlicht, klar und schnörkellos gehalten. Zahlreiche Abbildungen ergänzen den Text, farbige Kopfleisten gliedern die Artikel. Auch die Kanten der Seiten sind eingefärbt und ermöglichen das schnelle Auffinden von Kapiteln selbst beim geschlossenen Buch. Ein Lesebändchen fehlt. Das Buch liegt durch das kompakte Format sehr gut in der Hand. Aufgeschlagen neben dem Rechner macht es dagegen keine so gute Figur, da die Seiten durch die Art der Bindung wieder zufallen und entweder beschwert werden müssen oder hart gespreizt, wodurch die Bindung erfahrungsgemäß auf Dauer leiden wird.

„Lightroom Classic und CC“ setzt die eindrucksvolle Reihe der Fachbücher aus dem Rheinwerk-Verlag zum Thema Fotografie und Bildbearbeitung fort. Ein solider Hardcover-Einband nimmt die fadengebundenen 512 Inhaltsseiten sicher auf. Die Seiten lassen sich hervorragend blättern und bleiben offen an jeder gewünschten Stelle liegen. Auch hier trennen farbige Kopfleisten die Kapitel optisch voneinander. Großzügig gestaltete Doppelseiten führen in die Kapitel ein. Motive, die dort über den Mittelfalz hinaus angelegt sind, leiden leider darunter, teilweise im Bund zu verschwinden. Besonders auffällig ist das beim Kapitel „Vorgaben und Looks“ (S. 260/261), wo das Gesicht einer Person im Falz unvorteilhaft verzerrt wird. Ansonsten ist das Layout ohne Tadel. Typographie, Anzahl und Größe der Abbildungen sind vorbildlich. Ein Lesebändchen ist vorhanden.

 

Der Inhalt:

„Einstieg in Lightroom Classic und CC“ lässt sich auf zwei Arten lesen und durcharbeiten: zum einen ganz herkömmlich kapitelweise, zum anderen themenbezogen in sogenannten Workshops. Ein Vorwort zu Anfang des Buches und ein umfangreicher Index am Ende runden den Inhalt ab. Mit im Buch abgedruckten Codes kann man auf der Website des Verlages Beispielmaterial zu Übungszwecken erhalten.

Die inhaltliche Gliederung zu Anfang des Buches sieht folgendermaßen aus.

Kapitel:

  1. Schnelleinführung in Lightroom Classic CC (37 Seiten)
  2. Grundlagen (36 Seiten)
  3. Bilder importieren (34 Seiten)
  4. Bibliothek-Modul (69 Seiten)
  5. Entwickeln-Modul (118 Seiten)
  6. Weiterarbeiten mit Photoshop und Co. (12 Seiten)
  7. Karte-Modul (5 Seiten)
  8. Buch-Modul (15 Seiten)
  9. Diashow-Modul (30 Seiten)
  10. Drucken-Modul (23 Seiten)
  11. Web-Modul und Veröffentlichungsdienste (28 Seiten)

Workshops:

  • Schnelleinführung in Lightroom Classic CC
  • Bilder importieren
  • Bibliothek-Modul
  • Entwickeln-Modul
  • Weiterarbeiten mit Photoshop und Co.
  • Diashow-Modul
  • Drucken-Modul
  • Web-Modul und Veröffentlichungsdienste

Die Anzahl der Seiten gibt die Gewichtung der Themen wieder. Hier bleibt der Autor dem Untertitel des Buches treu und legt die Schwerpunkte klar auf das Entwickeln von Fotos und auf ihre Organisation in der Lightroom-Bibliothek.

Die Workshops sind ein gelungener Kniff, um aus den Kapiteln die Essenzen herauszuholen. Für Leser, die einzelne Themen rasch durcharbeiten möchten, verweisen die Workshops auf einzelne Seiten innerhalb der Kapitel, um Schritt für Schritt das jeweils Wesentliche zusammenzufassen. Workshops sind also keine eigenständigen Kapitel oder Wiederholungen sondern eine Auflistung der jeweils wichtigsten Seiten, quasi ein durch den Autor geführtes, fundiertes Querlesen der Kapitel. Wer nach dem Workshop mehr wissen möchte, kann dann immer noch die restlichen Seiten der Kapitel durcharbeiten. Ein cleverer Ansatz, der Autor und Verlag im Grunde nicht mehr kostet als ein wenig Denkarbeit bei der Gestaltung des Inhaltsverzeichnisses und der dem Leser viel Blätterei erspart.

Bei der Gestaltung der Seiten wird an Bildmaterial nicht gespart. Screenshots von Menüs und Programmfenstern sowie Serien-Abbildungen der Veränderungen bei der Verwendung des ein oder anderen Reglers, farbig abgesetzte Kästen für Kurzinfos und Tipps sowie Hinweise über die Verfügbarkeit der gezeigten Fotos als Download für Übungszwecke lassen inhaltlich keine Wünsche offen. Dem kompakten Buchformat geschuldet fallen die Abbildungen jedoch zum Teil zu klein aus. Wenn beispielsweise der Klarheitsregler im Kapitel „Grundeinstellungen“ besprochen wird ist sein Effekt anhand der briefmarkengroßen Fotos kaum erkennbar. Zudem wirken die vielen Bilder und Screenshots, von denen durchaus einmal zwölf auf einer Doppelseite verteilt sein können, manchmal unübersichtlich. Hier wäre ab und an weniger mehr.

Man darf jedoch nicht vergessen, wozu dieses Buch geschrieben wurde: als ausführliche und komplette Anleitung für eine Software. Sein Nutzen kommt daher vor allen Dingen zum Tragen, wenn man es parallel zur Arbeit im Programm nutzt, Schritte dort nachvollzieht, Effekte dort ausprobiert. Dann sind Briefmarkenfotos irrelevant, man hat ja das echte Ergebnis auf dem Bildschirm vor sich.

 

Lightroom Classic und CC geht das Thema auf andere Weise an. Die Hauptelemente des Buches ordnen sich standardmäßig hintereinander an: Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Inhalt und Index. Auch die Möglichkeit Beispielfotos herunterladen zu können, ist für Bücher aus dem Rheinwerk-Verlag ein inzwischen üblicher und sehr hilfreicher Service.

Der inhaltliche Aufbau orientiert sich zwar am üblichen Workflow in Lightroom (Import – Bibliothek – Entwicklung – Ausgabe), geht jedoch didaktisch einen anderen Weg als klassische Handbücher. Gegliedert in über 100 sogenannte Workshops werden konkrete Aufgaben Schritt für Schritt abgehandelt. Die Workshops gliedern sich in folgende Hauptkapitel:

  1. Leinen los! (27 Seiten)
  2. Richtig importieren (33 Seiten)
  3. Bibliothek und Metadaten (47 Seiten)
  4. Die Basisentwicklung (41 Seiten)
  5. Entwicklungsworkflow (25 Seiten)
  6. Motivgerecht entwickeln (49 Seiten)
  7. Vorgaben und Looks (35 Seiten)
  8. Mobiler Workflow mit Lightroom Classic CC (23 Seiten)
  9. Mit Lightroom CC auf Reisen (23 Seiten)
  10. Fotobücher erstellen (23 Seiten)
  11. Diashow-Präsentationen (27 Seiten)
  12. Fotos drucken (26 Seiten)
  13. Fotos online präsentieren (23 Seiten)
  14. Bilder tauschen und exportieren (39 Seiten)

Grundlagenkurse zu bestimmten Themen wie beispielsweise zu Histogrammen oder zu RAW- und DNG-Formaten sind den passenden Kapiteln zugeordnet. Mittels der Hauptkapitel kann man sich also bereits das gesuchte Thema heraussuchen. Dort findet man dann Workshops zu einzelnen Fragestellungen wie beispielsweise…

  • Entwicklungseinstellungen während des Imports anwenden
  • Bilder beurteilen, vergleichen, markieren und bewerten
  • Automatische Zuordnung von Personenstichwörtern
  • Die Blitzkorrektur für Tieraugen
  • Schnelles Ausflecken und intelligente Retusche
  • Wie Lightroom und Photoshop am besten zusammenarbeiten

Wie diese wahllos herausgegriffenen Beispiele zeigen, gehen die Workshops zum Teil sehr detailliert auf bestimmte Fragestellungen ein. Die Workshops selbst sind Schritt-für-Schritt Anleitungen mit relativ wenig Text und zahlreichen anschaulichen Bildern/Screenshots.

Die Aufmachung als systematische „Workshop-Sammlung“ macht das Buch eher zu einer ergänzenden Informationsquelle als zu einem kompletten Lehrbuch im üblichen Sinne. Sucht man beispielsweise Informationen zum Thema „Bildauflösung“ findet man im Index einen einzigen Eintrag, der auf einen nicht näher beschriebenen Einzelschritt im Workshop „Vorbereitungen für den Austausch“ hinweist, jedoch nichts über die Grundlagen zur Auflösung von Bildern aussagt.

Das Buch wendet sich eher an den Lightroom-Nutzer, der bereits mit dem Programm arbeitet und bei einer bestimmten Fragestellung Unterstützung sucht. Das kann sowohl ein Beginner als auch ein bereits fortgeschrittener User sein. Die Sammlung der Workshops bietet beiden Nutzergruppen hilfreiches Detailwissen an. Inwieweit dieser Ansatz des Buches genügt, um Käufer zu finden, muss jeder für sich ausmachen. In Zeiten der Online-Tutorials und YouTube-Kanäle hängt es von persönlichen Vorlieben ab, ob man den schnellen Klick im Netz wählt, um Tipps für auftretende Fragen zu bekommen oder lieber in einem Fachbuch danach sucht. Hinsichtlich der Qualität der Information macht man mit diesem Buch sicher nichts verkehrt. Und wer inzwischen schon genervt ist vom Überangebot an online-Hilfen mit zum Teil dubioser Provenienz wird den sachlichen Stil des Printmediums zu schätzen wissen.

 

Für wen ist welches Buch geeignet?

Einstieg in Lightroom Classic und CC:

Für Lightroom Einsteiger, die nicht autodidaktisch durch das Programm stolpern möchten.
Für Lightroom User, die mehr erfahren möchten
Für ungeduldige Handbuch-Leser, die schnelle Einstiege bevorzugen

Lightroom Classic und CC:

Für Lightroom Einsteiger, die Hilfe bei einzelnen Basis-Fragen benötigen
Für Lightroom-Fortgeschrittene, die tiefer in Detailfragen einsteigen möchten
Für Nutzer, die lieber in Büchern nachschlagen als online zu suchen

 

Fazit
„Einstieg in Lightroom“ ist ein kompaktes, komplettes und leicht verständliches Handbuch zu einem der komplexesten Programme aus der Adobe Schmiede mit einem interessanten Ansatz zum schnellen Einarbeiten in die Grundlagen. Abstriche sind zum einen die etwas überbordende Ausstattung mit Abbildungen, die oft zu klein geraten sind, um sinnvoll interpretierbar zu sein, zum anderen die feste Klebebindung, die sich gegen das Aufschlagen des Buches zur Wehr setzt.

„Lightroom Classic und CC“ ist ein professionell gemachter Ratgeber mit interessantem inhaltlichem Ansatz. Die Workshops decken ein breites Spektrum an Inhalten ab. Es ist daher die ideale Ergänzung, um einzelne Themen gezielt zu vertiefen. Als klassisches Lehrbuch für die Bedienung des Programms Lightroom eignet es sich nur bedingt.

 

©book-reviews-club 2018