Michael Freeman – Perfect Exposure

Michael Freeman
Perfect Exposure
Licht und professionelle Belichtung

1. Auflage 2016, 192 Seiten, Softcover, 25,5 x 24 cm, Hochformat, in Farbe
ISBN 978-3-95845-294-7, mitp-Verlag, 34,99 Euro

Der Autor:
Michael Freeman, Jahrgang 1945, ist ein renommierter Fotograf und Buchautor. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Dokumentation asiatischer Landschaft, Lebensweise und Kunst. Er arbeitet für renommierte Verlage wie Time-Life, GEO oder National Geographic und ist Autor zahlreicher Online-Seminare für Fotografie. Seine bislang mehr als 40 Bücher behandeln sowohl das Thema Reisefotografie als auch Architektur und fotografische Technik. Insbesondere die Bücher über den entscheidenden Blick für Licht und Komposition während der Aufnahme finden ein breites Publikum. Freemans Wissen und seine Erfahrung werden dem Leser dort didaktisch klug an zahlreichen Beispielen vermittelt.

Das Buch:
Perfect Exposure erscheint in fast quadratischem Hochformat und ist gut einen Zentimeter stark. Das Softcover besitzt vorne und hinten eingeschlagene Umschlagseiten, was dem Einband zusätzliche Stabilität verleiht. Die Bindung wirkt ausreichend fest, durch das große Seitenformat bleibt das Buch auch aufgeschlagen gut auf dem Tisch liegen. Ein Lesebändchen zur Markierung der letzten Lesestelle fehlt leider. Das mattgestrichene Papier gibt Texte und Bilder perfekt wieder.
Typographie und Layout sind klar und schnörkellos gehalten, Abbildungen reichen nur selten großflächig über den Mittelfalz hinüber, was immer ein Verschwinden eines Teils des Bildes zur Folge hat. Die Kapitel sind klar gegliedert und werden durch eine Doppelseite mit kurzer Einführung ins Thema eingeleitet.

Der Inhalt:
Michael Freeman gliedert den Inhalt seines Buches in fünf Kapitel:
Überholspur und idiotensicher – 15 Seiten
Das Technische – 45 Seiten
Die Zwölf – 41 Seiten
Stil – 45 Seiten
Nachbearbeitung – 25 Seiten

Abgerundet wird der Inhalt durch ein einführendes Vorwort am Anfang sowie Glossar und Index am Ende des Buches.

Der Schreibstil des Autors ist betont lässig und in Ich-Form gehalten. Immer wieder eingestreute Bemerkungen darüber, daß das Thema zwar komplex sei aber dennoch für jeden lösbar und der Verzicht auf komplizierte Fachsprache vermitteln dem Leser das Gefühl, dem hemdsärmeligen Vortrag eines guten Bekannten zu lauschen – eines Bekannten freilich, der hinter der lockeren Fassade geballtes Wissen und viel Erfahrung versteckt. Gekonnt schlägt sich Michael Freeman gleich zu Beginn auf die Seite des – eher unerfahrenen – Lesers und nimmt ihm die Scheu vor den überbordenden Einstelloptionen moderner Kameras sowie den zahllosen Tipps und Handbüchern zu fotografischer Technik indem er den Vorgang der Belichtung eines Fotos auf das Zusammenspiel dreier Komponenten reduziert: Zeit – Blende – Empfindlichkeit (ISO-Wert). Komplex wird das Thema Licht und Belichtung durch die zahllosen Möglichkeiten, diese drei Komponenten zu beeinflussen. Hier kommt die Erfahrung des Profis ins Spiel. Ein Profi ist laut Freeman jemand, der mit seinen Fotos seinen Lebensunterhalt bestreitet. Nach dieser Definition macht ein Profi nicht automatisch bessere Fotos als ein Amateur oder Hobbyist, er macht nur viel mehr davon weil er es eben ständig tut, um Aufträge zu erledigen. Aus dieser ständigen Beschäftigung mit der Materie entsteht eine sehr große Erfahrung und daraus wiederum ein geschultes Auge für Situationen und eben auch für die richtige Belichtung. Freeman versucht mit seinem Buch genau dieses Praxiswissen zu vermitteln.

Ein Beispiel dafür ist das Kapitel „Die Zwölf“. Nach Freeman gibt es genau zwölf verschiedene Belichtungssituationen. Diese Zahl ist sein eigener Erfahrungswert. Selbst wenn moderne Kameras mit tausenden verschiedener Referenzbilder gefüttert sind, um per Automatik korrekt zu belichten, so bleiben am Ende doch eben diese zwölf Hauptgruppen übrig. Wer es also schafft, das gewünschte Fotomotiv einer dieser zwölf Situationen zuzuordnen und wer die Handlungsempfehlungen des Autors verinnerlicht hat, ist schon einen großen Schritt weiter, um seine Bildergebnisse zu verbessern. Man kann darüber streiten, inwieweit diese Methode in der Praxis funktioniert. Interessant ist der Ansatz jedoch allemal und dazu geeignet, den Blick für ein Motiv zu schärfen.

Für diejenigen, die gerne mehr über Technik und Wirkungsweise belichtungsrelevanter Einstellungen wissen möchten, geht Freeman im Technik-Kapitel tief ins Detail. Funktion eines Sensors, Dynamikumfang, verschiedene Messmodi, Graukarten, Zonensystem, Belichtungsreihen und HDR-Bilder werden ausführlich behandelt und fundiert erklärt. Begleitet wird der Text von zahlreichen Abbildungen. Man bekommt detailliert gezeigt, wie sich Einstellungen auswirken und Ergebnisse verändern. Michael Freeman gelingt es durch die geschickte Mischung aus Text und Bild, alle Themen allgemein verständlich abzuhandeln.

Für wen ist dieses Buch geeignet?
Für alle, die mehr zum Thema Belichtung erfahren möchten.
Für Leute, die gerne an Hand von Beispielen lernen.
Für Fotografen, die ständig bemüht sind, ihren Horizont und ihre Kenntnisse zu erweitern.
Für Freunde didaktisch sehr gut gemachter Fachbücher.
Für Fans der Bücher und des Schreibstils von Michael Freeman

Fazit:
„Perfect Exposure“ ist ein hervorragend gemachtes Lehrbuch zum Thema Bildbelichtung. Es spricht sowohl den Praktiker an, der sich Kenntnisse am liebsten durch Beispiel aneignet, als auch den Theoretiker, der das technische Zusammenspiel von Zeit, Blende und Empfindlichkeit durchdringen möchte. Unabhängig vom jeweiligen Zugang ist das Buch für alle, die sich mit Fotografie beschäftigen, ein Gewinn.

 

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