Stefano Paterna – Urbane Fotografie

Rezension

Stefano Paterna
Urbane Fotografie
In der Stadt fotografieren: Sehenswürdigkeiten, Architektur, Menschen

2018, Softcover, farbig, 22 x 22 cm, 235 Seiten,
ISBN 978-3-95845-638-9, mitp-Verlag, 29,90 Euro

Der Autor:
Stefano Paternas Leidenschaften sind das Reisen und das Fotografieren. Fotografisches Können eignete er sich durch Studien an der University of Arts in London sowie durch seine Tätigkeit als Assistent des Werbefotografen Prasad Naik an. Auf seiner umfangreichen Website bietet Paterna Fotoreisen, Kurse und von ihm verfasste Ratgeber an. Seinen YouTube-Kanal nutzt er, um Themen zu vertiefen und praktische Tipps wie beispielsweise Kaufberatungen zu Foto-Equipment oder Reisezielen zu geben.

Das Buch:
„Urbane Fotografie“ erscheint im handlich quadratischen Tabletop-Format und liegt gut in der Hand. Der Umschlag hat eine angenehm samtige Kaschierung und die großen eingeschlagenen Klappen an Vorder- und Rückseite wirken sowohl stabilisierend als auch schützend für Kanten und Ecken. Zudem dienen sie bei Bedarf als Lesezeichen, da auf ein entsprechendes Bändchen verzichtet wurde. Die Bindung ist fest, die Seiten bleiben aufgeschlagen gut liegen. Eine äußerliche optische Trennung der Kapitel beispielsweise durch farbige Kanten gibt es nicht. Das Layout ist klar und schnörkellos, alle Abbildungen sind großzügig angelegt und von sehr guter Druckqualität. Aufnahmedaten werden nicht angegeben.

Der Inhalt:
Gegliedert ist das Buch in fünfzehn Kapitel:

  1. Das passende Equipment zum Fotografieren in der Stadt (11 Seiten)
  2. Datensicherung für Fotografen (5 Seiten
  3. Reisevorbereitung (7 Seiten)
  4. Bildgestaltung (17 Seiten)
  5. Nacht- und Restlichtfotografie (21 Seiten)
  6. Filter (11 Seiten)
  7. Langzeitbelichtung (5 Seiten)
  8. Panoramafotografie (5 Seiten)
  9. HDR (7 Seiten)
  10. Mitziehen (2 Seiten)
  11. Streetfotografie (7 Seiten)
  12. Menschen in der Stadt (9 Seiten)
  13. Urbane Schwarz-Weiß-Fotografie (9 Seiten)
  14. Themen und Motive für die urbane Fotografie (54 Seiten)
  15. Die Fotoserie (23 Seiten)

Zwischen die Kapitel ist ein Exkurs zum Thema „Rechtliche Aspekte“ gesetzt, der auf die aktuelle Rechtslage bei Aufnahmen von Gegenständen und Personen eingeht. Schlusswort und Index runden den Inhalt ab.

Sprachlich bemüht sich der Autor um eine direkte Kommunikation mit seinen Lesern. In Ich-Form lässt er uns an seinen Erfahrungen teilhaben. Stefano Paterna bleibt zwar bei der „Sie“-Anrede, kommt jedoch als der gute Kumpel rüber, der sich im Thema einfach besser auskennt. Das beginnt schon im Vorwort, worin es heißt „…möchte ich Ihnen zeigen, wie ich mich auf eine Städtereise …. vorbereite…“ und setzt sich fort bei Empfehlungen zur Kameratechnik, worin er von der Anschaffung einer Kompaktkamera abrät, da diese Kameras seiner Meinung nach durch die modernen Smartphones obsolet geworden sind. Es genügt ein Blick in einschlägige Fotosammlungen wie Flickr oder Instagram, um zu sehen, wozu Kompaktkameras fähig sind und wo sie Smartphones locker hinter sich lassen.

Man findet diese persönlichen Statements und Vorlieben des Autors im gesamten Buch und wird sie nicht immer teilen. Beispielsweise lautet die Empfehlung Paternas beim Ablichten von Menschen in Bewegung, den Auslöser auf Serienbild zu schalten und so lange auszulösen bis (Zitat) „…entweder der Aufnahmespeicher voll ist….oder die interessante Situation vorbei ist…“, um dann nachher aus den zahllosen Fotos das beste herauszusuchen. Abgesehen davon, dass der Aufnahmespeicher mit dieser Methode eventuell schon vor der interessantesten Szene voll sein kann, entspricht es sicher nicht jedermanns Art zu fotografieren, um den decisive moment zu erwischen. Es sind Empfehlungen dieser Art, die den Genuss des Buches etwas schmälern. Aber vermutlich ist das eben so, wenn ein guter Kumpel einem Tipps gibt – nicht jeder davon passt zu einem.

Die technischen Kapitel zu Ausrüstung, Reisevorbereitungen und Bildgestaltung liegen auf Einsteigerniveau. Es handelt sich um eine Sammlung von Allerweltstipps, die ein Thema allenfalls anreißen können. Sätze wie (Zitat) „Dünnere und kürzere Stativbeine verkleinern das Packmaß und Gewicht, verringern aber auch die Stabilität“ oder (Zitat) „Die Größe eines Schraubfilters muss entsprechend dem Objektivdurchmesser gekauft werden“ seien hierfür als Beispiele genannt. Für Leser, die sich erstmalig mit derartigen Fragen beschäftigen, sind dies unter Umständen nützliche Hinweise. Für ein Fotobuch, das in der Edition PROFI-Foto des Verlages aufgelegt wurde, passt das jedoch nicht. Nicht erst der Profi, bereits der ambitionierte Hobbyist zieht aus derartigen Texten keinen neuen Nutzen.

Wem es jedoch gelingt, derartige Passagen zu überlesen und gezielt nach Dingen zu suchen, die ihm weiterhelfen, wird tatsächlich fündig werden. Insbesondere das Bildmaterial, das Stefano Paterna aufbietet, ist in den meisten Fällen vom Feinsten. Der Autor ist schon weit herumgekommen und sein Erfahrungsschatz ist unbestritten. Allein schon das Titelbild der Kölner Kranhäuser bei einbrechender Dunkelheit ist sensationell. Und Bilder dieser Qualität gibt es im Buch jede Menge. Die interessantesten Kapitel sind daher auch die „Themen und Motive“ sowie die „Bilderserien“ am Ende des Buches. Schade ist nur, dass den Fotos keine Aufnahmedaten zugeordnet sind. Gerade wenn man Lust drauf bekommt, Motive, Stimmungen oder Effekte zu kopieren, wären diese Daten sehr hilfreich.

Für wen ist dieses Buch geeignet?
Für Einsteiger in die Fotografie
Für alle, die Inspirationen zur Fotografie in der Stadt suchen

Fazit
Ein Buch mehr im Regal der Buchhändler. Mittlerweile kann man für jedes nur denkbare Thema den passenden Ratgeber erwerben. Nun also auch zur Fotografie in städtischer Umgebung. Inwieweit dieses Buch notwendig ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Der Verlag schätzt es offensichtlich als erfolgversprechend ein. Unabhängig davon überzeugt „Urbane Fotografie“ durch die enthaltenen Fotos und würde auch als reiner Bildband durchgehen. Textlich spricht das Buch allenfalls Einsteiger an. Für diese Zielgruppe mag es ein nützlicher Ratgeber sein. Ein Profi-Foto-Buch ist es allerdings nicht.

 

©book-reviews.club 2018